November 2016: Parlamentarische Abendveranstaltung

V.l.n.r. MdB Martina Stamm-Fibich (Mitglied im Ausschuss für Gesundheit für die SPD-Bundestagsfraktion), MdB Erich Irlstorfer (Mitglied im Ausschuss für Gesundheit für die CDU/CSU-Fraktion), MdB Birgit Wöllert (Mitglied im Ausschuss für Gesundheit für die LINKE-Bundestagsfraktion)

 

Am Abend des 24.11.2016 lud das Netzwerk Neonatologie zum parlamentarischen Abend in die „Hörsaalruine“ des Berliner Medizinhistorischen Museums der Charité ein.

Barbara Grieb, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V., der das Netzwerk Neonatologie seit Anfang des Jahres 2016 koordiniert, begrüßte die Gäste des Abends und informierte zunächst über die Entstehung und bisherige Entwicklung des Netzwerks und seine Aktivitäten. „Das Netzwerk Neonatologie ist ein interdisziplinärer Zusammenschluss aller Akteure, die an der Versorgung von Frühgeborenen beteiligt sind. Gemeinsam vertreten wir die Stimme der allerkleinsten in unserer Gesellschaft und setzen uns dafür ein, dass Frühgeborene den bestmöglichen Start ins Leben erhalten und ihre Familien dabei optimal unterstützt werden.“

Im darauffolgenden Fachgespräch zwischen Partnern des Netzwerks Neonatologie wurden die Themen Pflege, Nachsorge, Qualitätssicherung und Vergütung im Kontext aktueller Entwicklungen und Herausforderungen in der Frühgeborenenversorgung beleuchtet. Aus verschiedenen fachlichen Perspektiven teilten Dr. Axel von der Wense, Leiter der Neonatologie am Altonaer Kinderkrankenhaus und Vorstandsmitglied der Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin, Dr. Theodor Michael, 2. Vorsitzender des Bundesverbandes Bunter Kreis e.V. und des Kindergesundheitshaus e.V. Berlin sowie Barbara Grieb ihre individuellen Standpunkte mit dem Publikum.

Dr. von der Wense berichtete über die aktuelle Situation in der Neonatologie aus ärztlicher Sicht. Mittlerweile sei man darum bemüht, Frühgeborene möglichst schonend medizinisch zu behandeln. Auch die Einstellung gegenüber Eltern habe sich grundsätzlich gewandelt. Waren sie früher allenfalls geduldet, so sei man heute von der Wichtigkeit überzeugt, diese auf den Stationen willkommen zu heißen und aktiv mit einzubinden. Die dokumentierten Auswirkungen des frühen „Bondings“ auf die weitere Entwicklung der Eltern-Kind-Bindung mache dies unmissverständlich klar. Eine gut strukturierte Einbindung der Eltern erfordere modifizierte Ausbildungsinhalte, die einen adäquaten Umgang mit Eltern in Krisensituationen vermitteln.

Von erheblichen finanziellen Herausforderungen für Anbieter sozialmedizinischer Nachsorge nach der Entlassung aus der Klinik berichtete Dr. Michael. Ursächlich dafür seien geänderte Finanzierungsvorgaben seitens der Krankenkassen, die für eine Kostenerstattung der erbrachten Leistungen aufkommen. 25-30 Prozent der anfallenden Kosten pro Fall seien nicht finanziert, was zu einer existenziellen Bedrohung des Angebotes in der medizinischen Nachsorge in Deutschland führe. Das betreffe insbesondere die Erstattung von Fahrtkosten für Angebote im häuslichen Umfeld, für die keine Kostenübernahme gewährt werde, so Dr. Michael.

Barbara Grieb betonte die Notwendigkeit der Begleitung von Familien durch ausreichend qualifiziertes Personal auf den Stationen, die kontinuierliche Unterstützung durch kompetente psychosoziale Elternbegleitung und die adäquate personelle und räumliche Ausstattung von Stationen. Sichergestellt werden müsse stets „die entwicklungsfördernde und familienzentrierte Versorgung, auch über den Zeitpunkt der Entlassung aus der Klinik hinaus“. Familien dürften mit ihren Sorgen und Nöten nicht alleine gelassen werden.

Im Anschluss folgte eine Podiumsdiskussion mit Gesundheitspolitikern der Bundestagsfraktionen. Martina Stamm-Fibich (SPD), Erich Irlstorfer (CDU/CSU) und Birgit Wöllert (Die LINKE) positionierten sich zu den Themen Prävention, Versorgung und Pflege im Bezug auf gesetzliche Entwicklungen und Handlungsbedarfe für eine optimierte Versorgung und Unterstützung von Frühgeborenen und ihren Familien. Dabei waren sich die Repräsentanten der drei Parteien darüber einig, dass eine ausreichende Spezialisierung im Bereich der Kinderkrankenpflegeausbildung sichergestellt werden müsse. Gemeinsam signalisierten sie großes Verständnis dafür, dass insbesondere die Prognose von Frühgeborenen entscheidend davon abhängt, wie gut das Pflegepersonal auf den Stationen geschult ist. Fraktionsübergreifend wurde deutlich, dass auch über eine Reform der Versorgungslandschaft nachgedacht werden müsse, um eine ausreichende Expertise im Umgang mit den Allerkleinsten gewährleisten zu können. In der Konsequenz würde das die qualitätsbedingte Schließung einiger Einrichtungen erforderlich machen. Zudem wurden Zweifel am aktuellen Vergütungssystem der Fallpauschalen für den Bereich der stationären Krankenhausbehandlung bei Kindern geäußert. In Anbetracht dessen, dass Kinder weniger als 20 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ausmachten, sollte vielmehr darüber nachgedacht werden, ob ihre adäquate medizinische Versorgung zukünftig als staatliche Leistung der Daseinsvorsorge erbracht werden kann. Das sei ein wichtiger Schritt, um den Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Versorgung umfänglich gerecht zu werden.

Das Netzwerk Neonatologie bedankt sich bei allen Teilnehmern der Veranstaltung für den offenen und gestalterischen Dialog. Im nächsten Schritt ist nun die Politik gefragt, aus den diskutierten Lösungsansätzen politische Handlungen zu entwickeln. Zum Wohle der Allerkleinsten und ihrer Familien freut sich das Netzwerk Neonatologie auf die Fortsetzung des Dialogs mit politischen Entscheidungsträgern und Experten im Wahljahr 2017.

Oktober 2015: „Die Kleinsten im Blick“

V.l.n.r. Hans-Jürgen Wirthl (Landesverband „Früh- und Risikogeborene Kinder Rheinland-Pfalz“ e.V.), Sabine Bätzing-Lichtenthäler ( Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz), Barbara Grieb (Vorstandsvorsitzende Bundesverband „Das frühgeborene Kind“ e.V.)

 

Am 12.10.2015 fand die erste parlamentarische Abendveranstaltung des Netzwerks Neonatologie unter der Schirmherrschaft von Sabine Bätzing-Lichtenthäler in der Berliner Repräsentanz der Landesregierung von Rheinland-Pfalz statt.

Der Einladung des Netzwerk Neonatologie waren u.a. zahlreiche Politiker gefolgt , um mehr über das strukturierte Nachbetreuungskonzept für Frühgeborene in Rheinland-Pfalz zu erfahren, das im Jahr 2008 erstmals in Mainz präsentiert wurde.

Im weiteren Verlauf berichtete Thrillerautor Sebastian Fitzek als prominenter Frühchenvater und Schirmherr des Bundesverbandes „Das frühgeborene Kind“ e.V. über seine persönlichen Erfahrungen mit dem Thema Frühgeburt.

Zur begleitenden Ausstellung der Fotodokumentation „Über|Leben – von zu früh geborenen Kindern“, die dem renommierten Fotokünstler Walter Schels aus Hamburg entstammt, lud Sebastian Fitzek am Ende des offiziellen Teils der Veranstaltung alle Gäste herzlich ein. Der Abend klang bei angeregten Gesprächen und nachdenklicher Betrachtung der Frühchen-Porträts aus.

Ein herzlicher Dank gilt allen Unterstützern der Netzwerkarbeit, insbesondere dem BioPharma-Unternehmen AbbVie sowie den Unternehmen Medela und Chiesi.


Mai 2014: Parlamentarisches Frühstück

V.l.n.r. Hans-Jürgen Wirthl (Landesverband „Früh- und Risikogeborene Kinder Rheinland-Pfalz“ e.V.), Prof. Dr. Christoph Bührer (Direktor der Klinik für Neonatologie an der Charité Berlin), Prof. Dr. Mario Rüdiger (Leiter des Fachbereich Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden), Bettina Hornhues (MdB CDU/CSU-Fraktion, ordentliches Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend), Marlene Rupprecht (MdB SPD-Fraktion bis 2013, ehemalige Vorsitzende der Kinderkommission)

Am 21. Mai 2014 fand ein erstes parlamentarisches Frühstück in Berlin statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung stellte das Netzwerk Neonatologie die in einer Informationsbroschüre zusammengefassten Ergebnisse einer Elternbefragung zum Thema „Familienorientierung in der Frühgeborenenversorgung“ vor

Die Broschüre gibt einen Überblick über Verbesserungspotentiale einer familienorientierten Frühgeborenenversorgung in allen Betreuungsphasen – vor der Geburt, nach der Geburt im Krankenhaus, am Übergang nach Hause, das erste Jahr zu Hause sowie in der Kita- und Schulzeit. Neben dem Feedback aus den Versorgungsphasen haben die Eltern ihre Wünsche und Hoffnungen an die Politik formuliert. Ergebnis sind fünf konkrete politische Aufgaben für mehr Familienorientierung in der Frühgeborenenversorgung.

Diese wurden den Mitgliedern des Deutschen Bundestages aus der Kinderkommission sowie den Ausschüssen für Gesundheit, Familie und Bildung vorgestellt und gemeinsam mit ihnen diskutiert.